Schutzkonzepte für Organisationen

Schutzkonzepte für Organisationen

Workshop am 15.11.2019 Kinder und Jugendliche werden immer noch nicht ausreichend vor Machtmissbrauch und sexualisierter Gewalt geschützt. Das zeigt der im September 2019 vom Deutschen Jugendinstitut und dem unabhängigen Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung...

Kinderschutzbund wird 40: Festwoche vom 12.-20. September

Kinderschutzbund wird 40: Festwoche vom 12.-20. September

Der Ortsverband Speyer des Deutschen Kinderschutzbundes feierte im Herbst 2019 sein 40-jähriges Bestehen! Seit 1979 sind wir tatkräftig und mit großem ehrenamtlichem Engagement für Kinder, Jugendliche und ihre Familien da. Wir sind die Lobby für Kinder. Im September...

Ein Streifzug durch 40 Jahre Kinderrschutzarbeit

Rede der 2. Vorsitzenden, Christel Koch, anlässlich des 40jährigen Jubiläums unseres OV am 12.09.2019

Vor 40 Jahren, im Internationalen Jahr des Kindes 1979, erschien von Bettina Wegener ein Lied über die Verletzlichkeit von Kindern: „Sind so klein die Hände, winzige Finger dran, darf man nicht drauf schlagen, sie zerbrechen dann. Sind so kleine Füße, mit so kleinen Zehn. Darf man nie drauf treten, können sonst nicht gehen….“
Ob die Gründungsmitglieder damals schon wahrgenommen haben, wie häufig „Kindern von Erwachsenen auf die Füße getreten wird in Berei-chen, die auch ihre Lebenswelt betreffen, z.B. bei Planungen von Wohnge-bieten, Straßen, Plätzen, Spiel und Freizeitbereichen, beim Lärmschutz?
Ob sich die 42 Frauen und Männer 1979 von Wegeners Hymne inspirieren ließen zur Gründung unseres Ortsverbandes ist nicht überliefert, überliefert ist ihr Motto: „der Kinderschutzbund hilft schon dadurch, dass es ihn gibt.“

Wie viel Trotz steckt hinter diesem Motto „der Kinderschutzbund hilft schon dadurch, dass es ihn gibt.“ und wie viel Mut brauchte es, sich gegen das Unverständnis, vielleicht auch gegen die Widerstände vieler Mitbürger durchzusetzen! Denn allein die Gründung zeigt, dass in Speyer damals so manches nicht gut gewesen sein muss. Die Gründungsmitglieder ließen sich jedoch nicht beirren. Der Wunsch, Kindern und ihren Familien zu helfen, sie zu unterstützen, war einfach zu groß: sie richteten einen Telefondienst ein, waren selbst an hohen Feiertagen für Ratsuchende erreichbar. Sie kümmerten sich damals schon um die sprachliche und soziale Förderung ausländischer Vorschulkinder, richteten einen Pflegekinderdienst ein, organisierten Besuchsdienste im Kinderkranken-haus und schulten und vermittelten Babysitter.
Sie demonstrierten gegen das AKW Philippsburg, gegen den Ausbau der Landebahn des Speyerer Flugplatzes und gegen die damit verbundenen Emissionen wie Luftverschmutzung und Lärmbelästigung. Sie forderten eine autofreie Maximilianstraße, empörten sich darüber, dass sich Anwohner von Kitas und Schulen über Kinderlärm beklagten, dass Kinder von Grünflächen verjagt und Spielverbote verhängt wurden, wo immer Kinder auftauchten. Sie entwickelten sich in dieser Zeit zum Sprachrohr, zum Anwalt der Kinder, forderten mehr Erziehungsberatungsstellen und das Verbot von Gewalt als Erziehungsmittel.
Nebenbei bauten sie eine Organisationsstruktur auf, richteten ein Büro ein und knüpften wichtige Kontakte zur öffentlichen Jugendhilfe und zu vielen Institutionen, die ebenfalls Kinder und Jugendliche im Fokus hatten. Diese Netzwerkarbeit ist bis heute ein wichtiges Element unserer Arbeit.

„Gebt Kindern eine Zukunft“ war das Motto der 80er Jahre.
Ein neues fachliches Verständnis für Kindesmisshandlung führte beim DKSB zu neuen Arbeitsprinzipien.
Übergriffe auf Kinder wurden jetzt als strukturelle Gewalt definiert, d.h. die Lebensbedingungen der Familien wurden als ursächlich für Gewalt in Familien angenommen. Prinzipien wie Hilfe zur Selbsthilfe und Helfendes Handeln wurden zur Grundlage unserer Arbeit. Es galt, sich für Probleme von Familien zu interessieren, genau hinzuschauen und ihnen mit Wertschätzung zu begegnen. Das Credo war und ist, gemeinsam nach Lösungswegen zu suchen, ohne dabei die Eltern aus der Verantwortung für ihre Kinder zu entlassen. Die Nachfrage beim DKSB stieg wegen der Niederschwelligkeit unserer Angebote und der zugesicherten Anonymität kontinuierlich an.
Der DKSB hatte von Anfang an den Anspruch, mitzureden, sich ein zu mi-schen und klar Position zu beziehen zu relevanten gesellschaftspolitischen Themen. Auch unser OV versuchte, Einfluss auf kommunale Entschei-dungen zu nehmen, in dem er Arbeitskreise gründete oder in bereits beste-henden mitarbeitete, z.B.: AK „Rund ums Kind“, „Kind und Verkehr“, „Spielräume“ etc.. Mitarbeit in Ausschüssen, Netzwerkarbeit überhaupt, wurde und wird großgeschrieben. Auch Öffentlichkeitsarbeit war uns immer wichtig: wir besuchten zu Schuljahresbeginn sämtliche Schulen in Speyer und im Umland und warben für das Kinder- und Jugendtelefon. Wir nahmen teil an städtischen Festen mit Info-Ständen, Kuchenverkauf, Flohmärkten. Mit Bollerwagen voller Kinder liefen wir mit beim Brezelfestumzug. Bei den Basteltagen betreuten wir jahrelang kostenlos die Kleinsten, verkauften kreative, selbstgestaltete Weihnachtskarten und beim Altstadtrock am Heidentürmchen verköstigten wir viele Jahre die jugendlichen Besucher.
Die Arbeitskreise sind mittlerweile aufgelöst, weil einige Forderungen umgesetzt wurden (was nicht bedeutet, dass nicht noch manches verbesserungswürdig wäre). 1987 konnten wir die Wünsche von Eltern aus Speyer-Nord nach Spielräumen für ihre Kinder mit Hilfe der GEWO erfüllen. Die Spielwohnung, Vorläufer unseres NORDPOL, wurde eingerichtet.

1989 wurde in 191 Ländern der Erde die UN-Kinderrechtskonvention beschlossen, bei uns trat sie 1992 in Kraft und wurde zur entscheidenden Grundlage unserer Arbeit. Sie setzt Meilensteine für umfassenden Schutz, Entwicklung, Versorgung und Mitbestimmung von Kindern. Von nun an war es unser Ziel, die Verwirklichung dieser garantierten Rechte voran-zutreiben.
Einer Mitbestimmung von Kindern, wie sie Wegener in ihrer Hymne fordert:
„sind so schöne Mündchen, sprechen alles aus. Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus. Sind so klar die Augen, die noch alles sehn. Darf man nie verbinden, könn´ dann nichts mehr seh‘n..“
wurde 1998 mit der Kindschaftsrechtsreform Rechnung getragen. Diese brachte einen Perspektivwechsel, vom Objekt- zum Subjektstatus des Kindes. Von nun an hat das Kind z.B. bei Trennung der Eltern ein Anhörungsrecht im familien- u. vormundschaftlichen Verfahren. Es wird ihm ein Beistand, ein „Anwalt des Kindes“ an die Seite gestellt.
Weil diese Reform auch das „Recht des Kindes auf beide Eltern“ im BGB formuliert, boten wir, in Kooperation mit dem OV Schifferstadt, ab 01.01.1999 den Betreuten Umgang für Kinder an. Kinder durften zu festgelegten Zeiten den umgangsberechtigten Elternteil im beschützten Rahmen und unter Aufsicht einer ehrenamtlichen Begleitung treffen, sich wieder an ihn gewöhnen. Seit 2003 betreibt der OV Rheinpfalz – Kreis dieses Angebot in Eigenregie.
Die geforderten Mitspracherechte hat unsere Stadt damals mit „Klappe auf“ (Briefkasten am Stadthaus) und der halbjährlichen Bürgermeister-sprechstunde erfüllt. Mittlerweile vertritt der Jugendstadtrat die Interessen von Jugendlichen im Jugendhilfeausschuss (JHA).
Ein weiteres Angebot seit den Neunzigern sind die vom Kinderschutzbund entwickelten Elternkurse „Starke Eltern – Starke Kinder“.
Im Jahr 2004 erweiterten wir unsere Angebotspalette: wir richteten zusammen mit einer ehrenamtlichen Rechtsanwältin eine kostenlose Rechtsberatung für Kinder und Jugendliche ein, zum anderen boten wir die Kindertagespflege an.
Mit der Kindertagespflege und der Spiel-u-Lernstube NORDPOL, die wir sogar schon seit 1987 betreiben, sind wir nicht mehr nur Lobby für Kinder und Jugendliche, sondern sind ganz nah bei den Kindern: wir kümmern uns um ihre konkrete Betreuung und binden dabei ihre soziale Lebenswelt mit ein.
Diese Arbeit kann nicht nur ehrenamtlich geleistet werden, dazu braucht es Fachpersonal. Mittlerweile beschäftigen wir 11 Mitarbeiter *innen: (Dip.SozPäd./Dipl.SozArb./Dipl.Heilpäd./Erzieher*innen,Verwaltungs-fachkräfte, Reinigungs- und Hausmeisterdienste).
Ich bedanke mich herzlich bei all unseren Hauptamtlichen für die harmonische und respektvolle Zusammenarbeit. Denn das Zusammenwir-
ken von Haupt – und Ehrenamt ist die große Stärke des DKSB, muss jedoch immer wieder neu erarbeitet werden.
Unser jüngstes Angebot ist gerade ein Jahr alt: das AhA!- Projekt, ein Entlastungsangebot für Alleinerziehende, ist eine Reaktion auf den städtischen Armuts-u. Reichtumsbericht.

Mit Sorge betrachten wir die immer größer werdende Kluft zwischen ar-men und reichen Familien. Was für die Mehrheit der Kinder selbstver-ständlich ist, bleibt ärmeren Kindern aufgrund der Einkommenssituation der Eltern verwehrt. Sie sind von vielen Bildungs-und Freizeitangeboten ausgeschlossen, werden deshalb oft von Mitschülern gehänselt u. ausge-grenzt, schämen sich, werden auffällig. Auch mit neueren Problemen wie Mobbing in Internet und Handy, Sexting u.v.m. müssen Kinder und Jugendliche heute fertig werden.
Die Gründe, warum wir auch heute auf die Straße gehen, z.B. bei Fridays for future, sind ähnlich wie diejenigen vor 40 Jahren, nämlich der stete Einsatz für eine lebenswerte Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen.
Dabei müssen wir oft dicke Bretter bohren und einen langen Atem haben: so haben wir z.B. 25 Jahre dafür gekämpft, bis in 2000 endlich die gewaltfreie Erziehung ins Familienrecht / BGB aufgenommen wurde.
Sie sehen, trotz veränderter Arbeitsschwerpunkte und Programmatik unserer Verbandsarbeit über die 40 Jahre hinweg ist unser Anliegen stets gleich geblieben: das Wohl des Kindes in den Mittelpunkt zu stellen, es zu fördern und zu schützen.
Bettina Wegener singt: „ … Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei. Darf man niemals quälen, gehn` kaputt dabei…“
In diesem Sinn wollen wir mithelfen, eine kinderfreundliche Welt zu schaffen, in welcher Kinder in Gewaltfreiheit und sozialer Sicherheit aufwachsen können. Wir wollen, dass alle Kinder Zugang zu Grundbildung haben und an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt werden. Denn wenn wir so früh wie möglich viel Positives in Kinder investieren, werden sie später fähig sein, ihr Leben konstruktiv zu meistern und dadurch auch das gesellschaftliche Miteinander positiv zu beeinflussen.
Wir Erwachsene sollten uns angewöhnen, vor wichtigen Entscheidungen öfter die Stupsnasenhöhe von Kindern einzunehmen und die Welt auch von ihrer Perspektive wahrzunehmen – denn es sind die Kinder, die unsere Zukunft gestalten.

Christel Koch, 2. Vorsitzende